Predigt 18.2.26 Aschermittwoch LJ A

Wenn Gott uns in die Wüste führt...

Wir gehen inneren geistlichen Weg auf Ostern zu. Der Weg steht unter dem Leitwort „Unterwegs nach Emmaus“. Der erste Schritt heißt: „Wenn Gott uns in die Wüste führt“. Es gibt im Leben solche Wüstenzeiten, in die wir einfach geraten: Krisen, Krankheiten, Umbrüche. Die Fastenzeit ist eine Einladung, sich bewusst in eine innere Wüste einzulassen, Zerstreuung wegzulassen, Einfachheit und Stille zu suchen.

 

Wüste kann ein Ort sein, an dem Kraft wächst. In unseren Breitengraden ist das eher das, was wir gerade in der Natur erleben, die Brache des Winters. Alle, die gern in ihrem Garten sind, wissen, dass zurzeit im Boden Entscheidendes geschieht, geheimnisvoll. Im Verborgenen unter Frost und dunkel bereitet sich das vor, was uns in ein paar Wochen als blühend, als wachsend und reifend wieder begegnen wird. Was da in der Natur geschieht, das geschieht auch oft in solchen Brach- und Wüstenzeiten bei uns Menschen.

 

Das Volk Israel kommt in die Wüste, nachdem es aus Ägypten befreit ist. Dort reift die Bereitschaft, sich auf den Gottesbund mehr und mehr einzulassen. Jesus hört bei der Taufe am Jordan: „Du bist mein geliebter Sohn“ und scheinbar braucht es diese vierzig Tage in der Stille, im Gebet, um mit dieser Zusage wirklich in Verbindung zu kommen. Der Apostel Paulus hat vor Damaskus diese Erfahrung, dass ihm der Auferstandene begegnet, und aus einer kleinen Notiz in seinen Briefen wissen wir, dass er für lange Zeit in die Araba, in eine Wüstengegend, geht und dort verschwindet, bis er dann als Völkermissionar wieder auftaucht und verkünden kann: Nicht mehr ich lebe, Christus lebt in mir!“

 

Es braucht die inneren Reifungszeiten. Manchmal werden wir ungefragt hineingeschubst. In meinem Leben kann ich das gut festmachen: Wer die Ausbildung als Priester durchlebt, hat ein sogenanntes Freijahr. Man könnte vermuten, ein Jahr großer Freiheit. Ich bin als Schüler im Internat gewesen, von dort zur Bundeswehr gewechselt, wieder dem Rudel, von da ins Priesterseminar, damals war das noch ein Rudel, und dann kam ein Jahr in Freiburg: Leben wie ein ganz normaler Student. Allein in einer fremden Stadt. Das war Wüste. Da ist viel zerbrochen, viel ans Licht gekommen, und ich habe bis heute den Eindruck, dass diese Krisen, die dort waren, das stille Fundament sind, das mich eigentlich das ganze Leben trägt. Ich habe gelernt mein eigenes Leben zu wagen, meinen Weg zu gehen.

Solche Erfahrungen zeigen, dass es eine Chance ist, sich auf Wüste einzulassen.

 

In der Wüste klären sich die Grundfragen: Wovon lebst du, wer bist du, was ist dein Auftrag?

Erzählt wird das biblisch in den Versuchungen, die Jesus erfährt und durchsteht. „Wovon lebst du? „Mach doch die Steine zu Brot?“ ist das Angebot des Versuchers und Jesus antwortet: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.“ Der Mensch lebt von Gott, von Beziehungen, die in Worten erfahrbar werden. Wenn wir die Dinge weglassen, die der Konsum anbietet, dann kann das klarer werden, wie sehr wir von Beziehungen zu anderen Menschen, aber im Letzten auch aus der Beziehung zu Gott leben.

„Wer bist du?“ Das Angebot heißt: „Stürz dich vom Tempel hinab und vertrau darauf, dass die Engel dich auffangen.“ Mach, was du kannst. Es ist die Einladung, sich selbst zu machen, unsere Kultur ist bis ins Letzte davon geprägt: dass jeder sich selber machen und aus sich was machen und sich großmachen möchte. In der Wüste kommt Jesus zu einem anderen Weg. „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ Ich bin ein Mensch in Grenzen und ich bleib in meinen Grenzen. Wer bist du? Ein begrenztes Kind dieser Erde. Auch das will wachsen, reifen im Garten.

Und die Grundfrage, , die sich immer stellt, will auch klarer beantwortet werden: Was ist deine Aufgabe, deine Berufung, deine Spur? Und auch das findet Widerhall in diesen Versuchungen Jesu, dass der Teufel sagt: „Alle Reiche der Welt biet ich dir an, wenn du mich anbetest“, und die Antwort Jesu ist, dass er in der Anbetung Gottes bleibt. Seine Spur ist die Verbindung zum „Vater im Himmel“, zum Leben aus seinem Geist.

Alfred Delp, einer der großen Zeugen der Nazizeit, hat in der Todeszelle geschrieben: „Brot ist wichtig.“ Er hat da sicher viel gehungert, „die Freiheit ist wichtiger“ im Angesicht der Gefängnisgitter, und dann schreibt er: „Am wichtigsten ist aber die ungebrochene Treue und die unverratene Anbetung.“ Da hat einer in der Wüste entdeckt, was der eigentliche Ruf seines Lebens ist: „Brot ist wichtig. Die Freiheit ist wichtiger, am wichtigsten aber ist ungebrochene Treue und die unverratene Anbetung.“

 

Was hilft, um die Wüste zu bestehen?

Da ist für mich „Unterwegs nach Emmaus“ nochmals ein wichtiges Stichwort: Die Emmauserfahrung beginnt damit, dass zwei Jünger Jerusalem verlassen, um ganz ehrlich ihren Schmerz zu leben. Der unerkannte Auferstandene wird sie fragen: „Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?“ Ich glaube, die Wüste beginnt damit, dass ich mir eingestehe, was mich gerade umtreibt. Was tragen Sie an Schmerz, an Angst, an Sorge in sich? Das wäre der erste Schritt, der aus dem Fasten aus diesem geistlichen Weg herauswächst.

Und das zweite, was der Emmausweg lehrt: Was hilft, dass das Herz brennend wird? Da gibt es viele Angebote, dem Wort zu begegnen, dem Wort Gottes zu begegnen, ins Gebet zu gehen. An der Stelle darf ich nochmal auf dieses Begleitheft verweisen, den Anregungen, sich in der Gegenwart Gottes hinzuhalten und zuzulassen, dass er zu mir spricht und dass mein Herz brennender wird. Und wenn ein paar noch spüren, dass auch Austausch eine Möglichkeit wäre, dann wäre es Zeit, dass Sie sich dazu auch anmelden. Infos dazu finden Sie auf dem Infoflyer.

Wenn Gott uns in die Wüste führt, kann das manchmal unangenehm sein, aber es ist auch zutiefst heilsam und wir sind eingeladen, uns diesem heilsamen Wirken Gottes neu zu öffnen. Amen.

Engelbert Birkle